{"id":4561,"date":"2020-03-08T15:17:05","date_gmt":"2020-03-08T14:17:05","guid":{"rendered":"https:\/\/www.femtec.org\/?p=4561"},"modified":"2024-06-12T14:18:31","modified_gmt":"2024-06-12T12:18:31","slug":"ehemalige-bundesministerin-wanka-appelliert-zum-frauentag-2020-an-weibliche-mint-talente-mutig-sein-nicht-klein-denken-alles-wollen-old","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.femtec.org\/ehemalige-bundesministerin-wanka-appelliert-zum-frauentag-2020-an-weibliche-mint-talente-mutig-sein-nicht-klein-denken-alles-wollen-old\/","title":{"rendered":"Ehemalige Bundesministerin Wanka appelliert zum Frauentag 2020 an weibliche MINT-Talente: \u201eMutig sein, nicht klein denken, alles wollen.\u201c-old"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Berlin, M\u00e4rz 2020 \u2013 Der internationale Frauentag setzt j\u00e4hrlich am 8. M\u00e4rz ein Zeichen f\u00fcr Frauenrechte und die Gleichstellung der Geschlechter. Die Berliner Femtec GmbH nutzt den Aktionstag der UNO, um junge Frauen dazu zu motivieren, sich f\u00fcr die Karriere in einem MINT-Beruf zu entscheiden. Das internationale Netzwerk f\u00fcr weibliche MINT-Talente wird dabei prominent von seiner Aufsichtsratsvorsitzenden, der ehemaligen Bundesministerin f\u00fcr Bildung und Forschung, Professorin Dr. Johanna Wanka, unterst\u00fctzt.<\/strong> <\/p>\n\n\n\n<p><em>Frau Professorin Wanka, Sie haben selbst Mathematik \u2013 also im MINT-Bereich \u2013 studiert. Woher r\u00fchrte damals Ihre Begeisterung f\u00fcr dieses Fach? <\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Ich mochte Mathematik schon in der Schule sehr gern, weil es ein Fach ist, bei dem man mit Logik sehr viel erreichen kann, das lag mir und hat mir viel Spa\u00df gemacht. Ich hatte dann sehr schnell erste Erfolge, zum Beispiel die Mathema\u00adtik-Olympiade, die es in der DDR gab. Vor allem war Mathe aber im Gegensatz zu beispielsweise Germanistik ein Fach, das ideologisch nicht so dominiert war. Das war dann letztendlich auch der aus\u00adschlaggebende Grund f\u00fcr meine Ent\u00adscheidung, Mathematik zu studieren. <\/p>\n\n\n\n<p><em>Welche Unterst\u00fctzung h\u00e4tten Sie sich damals w\u00e4hrend des Studiums oder danach gew\u00fcnscht?<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Ich\nkomme von einem Bauernhof und war in der Familie die erste in meiner Gene\u00adration,\ndie studiert hat. Insofern fehlte mir von zu Hause eine Begleitung \u2013 je\u00admand,\nder mir Mut machte oder den R\u00fc\u00adcken st\u00e4rkte. Aber trotzdem lief f\u00fcr mich alles\nsehr gut. Ich habe gleich zu Anfang meines Studiums meinen Mann kennen\u00adgelernt,\ndadurch waren wir zu zweit und haben uns beide st\u00e4rken und gegenseitig\nmotivieren k\u00f6nnen. <\/p>\n\n\n\n<p>In Leipzig haben zu der Zeit 250 Menschen begonnen, Mathematik zu studieren, davon 100 Frauen. Das war ungew\u00f6hnlich viel \u2013 wir waren deswegen auch oft in der Presse. Von den 250 haben am Ende dann nur 100 das Diplom geschafft \u2013 es war also ein sehr hartes Studium. Da h\u00e4tte ich mir eine mentale Begleitung, die mich best\u00e4rkt und mir Mut macht, dass ich das schaffen kann, sehr gew\u00fcnscht.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Sie waren die erste Frau aus einem ostdeutschen Bundesland, die Ministerin in einem westdeutschen Bundesland wurde. Wie haben Sie es geschafft, sich in einer von westdeutschen M\u00e4nnern besetzten Dom\u00e4ne durchzusetzen? <\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Ob als Studentin, als Mitarbeiterin oder sp\u00e4ter Professorin und Rektorin an der Hochschule \u2013 ich habe immer schon in einem Umfeld gearbeitet, das von M\u00e4n\u00adnern dominiert wurde. Das war also f\u00fcr mich dann nichts Neues mehr, als ich Ministerin wurde. Ich glaube, wichtig war eher, dass ich meine Erfahrungen, die ich in den neun Jahren vorher als Ministerin in Brandenburg gesammelt hatte, in Niedersachsen miteinbringen konnte. Nat\u00fcrlich k\u00e4mpft jede und jeder immer f\u00fcr den eigenen Bereich, das ei\u00adgene Ressort und muss sich das Wissen aneignen, das f\u00fcr die jeweilige Position wichtig ist. Aber entscheidend f\u00fcr mich war es vor allem \u2013 und ist es immer noch, \u2013 dass man vor allem am gemein\u00adsamen Erfolg interessiert ist, dass man zusammenarbeitet und das Gemeinsame sieht.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Am 8. M\u00e4rz ist Weltfrauentag. Wie werden Sie den Tag verbringen? Welche Botschaft w\u00fcrden Sie gern an diesem Tag kommunizieren?<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Der 8. M\u00e4rz ist ein Ritual, sollte aber nicht zum Ritual erstarren, wie es in der DDR aus meiner Sicht leider passiert ist. Und wir Frauen sollten uns nicht mit diesem einen Tag im Jahr zufrieden ge\u00adben. Wir brauchen eigentlich jeden Tag. Meine Botschaft: Ich finde es sehr bedau\u00aderlich, wenn an diesem Tag vor allem die bestehenden Nachteile, unter anderem Diskrepanzen bez\u00fcglich des Gehalts, the\u00admatisiert werden. Das ist wichtig, keine Frage, aber das sollte nicht alles sein. Ich w\u00fcnsche mir, dass an diesem Tag auch Erfolge kommuniziert werden, dass noch mehr dar\u00fcber berichtet wird, was sich alles schon zum Positiven f\u00fcr uns Frauen ver\u00e4ndert hat. Wir sollten Mut machen, nicht nur problematisieren. <\/p>\n\n\n\n<p><em>Wie hat sich die Situation f\u00fcr Frauen in MINT-Berufen in den letzten Jahren ver\u00e4ndert? Was muss Ihrer Auffassung nach noch getan werden, um ein Umdenken anzusto\u00dfen?<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Es gibt\nschon viele Erfolge: Der Anteil der Frauen, die im MINT-Bereich studie\u00adren, ist\nim internationalen Vergleich gewachsen, zum Beispiel in der Mathe\u00admatik, in der\nChemie und im Bauingeni\u00adeurwesen. Aber es gibt leider immer noch einen gro\u00dfen\nMangel an Studentin\u00adnen in den F\u00e4chern Elektrotechnik, Ma\u00adschinenbau oder\nInformatik, da muss sich zuk\u00fcnftig etwas ver\u00e4ndern. Diese F\u00e4cher m\u00fcssten noch\nst\u00e4rker beworben werden. Schon in der Schule sollten M\u00e4d\u00adchen davon erfahren,\nwie spannend sol\u00adche Fachrichtungen eigentlich sind. Da wird noch viel zu wenig\ngemacht! Da sind neue Konzepte gefragt, wie wir jun\u00adge Frauen f\u00fcr diese\ntechnisch orientier\u00adten Berufsfelder begeistern k\u00f6nnen. <\/p>\n\n\n\n<p>Noch wesentlich gr\u00f6\u00dferen Handlungsbe\u00addarf sehr ich allerdings im Bereich der Ausbildungsberufe \u2013 da gibt es noch Ei\u00adniges zu tun, gerade im Handwerk. Hier sollten wir nach neuen Wegen suchen, wie wir in der Schule nicht nur die intel\u00adlektuellen, sondern auch die technischen F\u00e4higkeiten st\u00e4rker f\u00f6rdern k\u00f6nnen. <\/p>\n\n\n\n<p><em>Wenn Sie in einem Satz die Frage beantworten m\u00fcssten, warum Frauenpower im MINT-Bereich so wichtig ist, was w\u00fcrden Sie sagen?<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Wir k\u00f6nnen\nin sehr vielen Leistungsbe\u00adreichen eine starke Kompetenz von jun\u00adgen Frauen\nablesen. Ich finde, es ist volkswirtschaftlich zwingend notwendig, dieses\nPotenzial, gerade jetzt, in Zeiten des Fachkr\u00e4ftemangels in allen m\u00f6gli\u00adchen\nDisziplinen, wirklich zu nutzen. F\u00fcr jede einzelne Frau erm\u00f6glicht eine\nKarriere im MINT-Bereich viele pers\u00f6nliche Chancen \u2013 nicht nur rein fachlich\ngese\u00adhen, sondern auch was die finanzielle Unabh\u00e4ngigkeit und Sicherheit, die\nGe\u00adstaltung des Lebens mit Kindern und die Vereinbarkeit von Familie und Beruf\nangeht. <\/p>\n\n\n\n<p>Kurz gesagt: Die leistungsf\u00e4hi\u00adgen Frauen sind da, dieses Potenzial muss volkswirtschaftlich erschlossen werden. Gleichzeitig bietet der MINT-Bereich diesen Frauen gl\u00e4nzende Karri\u00aderechancen, die sie im eigenen Interesse unbedingt nutzen sollten. <\/p>\n\n\n\n<p><em>Was hat Sie motiviert, als Aufsichtsratsvorsitzende ein Teil von Femtec zu werden? <\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Es gibt schon zahlreiche Programme, mit denen Frauen im Studium und im Beruf gef\u00f6rdert werden sollen, daf\u00fcr wird be\u00adreits sehr viel Geld ausgegeben. Aber oft f\u00fchrt das noch nicht zu den gew\u00fcnschten Erfolgen. Femtec hingegen leistet etwas, was sehr wirkungsvoll ist, was funktio\u00adniert, was Frauen effektiv f\u00f6rdert, was aber bundesweit leider noch zu wenig bekannt ist. Daher meine Motivation, dieses Angebot sichtbarer zu machen und zu f\u00f6rdern.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Welchen Handlungsbedarf f\u00fcr Femtec leiten Sie aus Ihrer Arbeit als Ministerin f\u00fcr Bildung und Forschung ab? An welchen Punkten k\u00f6nnte Femtec die Entwicklung noch weiter vorantreiben? <\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Es ist schwierig, gute Konzepte und Ide\u00aden zu finden, um Frauen wirklich zu f\u00f6rdern. Ein positives Beispiel ist das Professorinnenprogramm. Das Angebot von Femtec \u2013 vom studienbegleitenden Career-Building Programm bis hin zur Personal- und Karriereberatung \u00fcber das Femtec Netzwerk \u2013 sehe ich nicht nur als bundesweites Angebot, sondern auch als m\u00f6glichen Innovator und Impulsge\u00adber f\u00fcr Frauen in den einzelnen Bundes\u00adl\u00e4ndern und Kommunen. Hier w\u00fcrde ich gern noch weitere Ideen zusammen mit Femtec entwickeln. <\/p>\n\n\n\n<p><em>Was w\u00fcrden Sie Frauen ans Herz legen, die noch daran zweifeln, ob ein MINT-Studium etwas f\u00fcr sie ist oder ob sie sich sp\u00e4ter einmal durchsetzen k\u00f6nnen werden?<\/em><\/p>\n\n\n\n<p> Ich w\u00fcrde den Frauen raten, mutig zu sein, nicht klein zu denken, alles zu wol\u00adlen: Beruflichen Erfolg und gutes Ein\u00adkommen, um damit dann auch Familie besser erm\u00f6glichen zu k\u00f6nnen. Abstri\u00adche werden sich im Laufe des Lebens ergeben. Aber am Anfang sollten sie nicht nur \u00fcber Schwierigkeiten nachden\u00adken, sondern alles wollen. Femtec bietet ihnen auf diesem Weg eine hervorragen\u00adde Unterst\u00fctzung und Begleitung.  <\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"950\" height=\"500\" src=\"https:\/\/www.femtec.org\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/Prof_Johanna_Wanka_43x30cm_Fotocredits_picture-alliance_950x500px.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-4562\" srcset=\"https:\/\/www.femtec.org\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/Prof_Johanna_Wanka_43x30cm_Fotocredits_picture-alliance_950x500px.jpg 950w, https:\/\/www.femtec.org\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/Prof_Johanna_Wanka_43x30cm_Fotocredits_picture-alliance_950x500px-300x158.jpg 300w, https:\/\/www.femtec.org\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/Prof_Johanna_Wanka_43x30cm_Fotocredits_picture-alliance_950x500px-768x404.jpg 768w\" sizes=\"(max-width: 950px) 100vw, 950px\" \/><figcaption> Prof. Dr. Johanna Wanka, Aufsichtsratsvorsitzende der Femtec GmbH. <br>Fotocredit: picture alliance <\/figcaption><\/figure>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Berlin, M\u00e4rz 2020 \u2013 Der internationale Frauentag setzt j\u00e4hrlich am 8. 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