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Auslandspraktikum – ein Erfahrungsbericht von Frau Anna Lasota bei DaimlerChrysler Co., Ltd. in Tokyo, Japan, in der Abteilung Corporate Strategy and Planning

Wie haben Sie den Praktikumsplatz bekommen?

Durch Networking, Hartnäckigkeit und Glück.

Networking: Ich habe meine Bewerbungsunterlagen direkt nach Tokyo geschickt. Dort arbeitet ein Bekannter, ein Onkel meines Kommilitonen.
Hartnäckigkeit: Ich habe 2 Monate lang nichts aus Tokyo gehört. Nachdem ich ein paar Mal nachgehakt habe, wie der Stand der Dinge bezüglich meiner Bewerbung ist, wurde mir mitgeteilt, dass meine Unterlagen „untergegangen" seien. Ich sollte so schnell wie möglich meinen Lebenslauf noch einmal zuschicken.
Glück: Weiterhin vermute ich, dass Frau Tyrtania von DaimlerChrysler Stuttgart ein gutes Wort für mich eingelegt hat. Meine Chefin Frau Grahe, übrigens eine Ex-IMAPlerinx, hat mir gesagt, dass sie mich aufgrund meines mathematischen Hintergrundes ausgewählt hat, was mich befähigt abstrakt und strukturiert zu denken. (xIMAP steht für International Management Associate Program oder auf deutsch Internationale Management Nachwuchsgruppe der DaimlerChrysler AG)

Warum haben Sie ein Praktikum im Ausland durchführen wollen?

Ich wollte am Ende meines Studiums noch mal was von der Welt sehen und selber bestimmen, wo es hingeht, bevor ich in den Berufsalltag einsteige. Asien war eine Herausforderung und Japan einfach das Land, das von Deutschland am weitesten weg ist. Zudem hat mich Japanisch schon immer fasziniert und ich fand es „cool" japanisch zu lernen. Ich hätte in Japan auch einen Kaffeekocher Job angekommen. Es ging mir primär um das Land und um die Erfahrung mit Japanern zu arbeiten.

Welche Erwartungen hatten Sie im Vorfeld an das Praktikum?

Ich habe ein halbes Jahr im Voraus angefangen Japanisch zu lernen. Zudem habe ich mich um ein Stipendium bei der Carl Duisberg Gesellschaft beworben. Auf diesem Weg habe ich an einem mehrtägigen Seminar am Landesspracheninstitut NRW in Bochum teilgenommen. So wurde ich intensiv von der kulturellen Seite auf meinen Aufenthalt in Japan vorbereitet.
Was meine Praktikainhalte anging hatte ich keine Ahnung, was mich erwartet. Es war nur mal kurz die Rede von Balanced Score Card… also habe ich mir ein paar Bücher zu diesem Thema geschnappt. Außerdem hatte ich noch Lektüren zum Thema Japanische Wirtschaft. Aber die habe ich eher überflogen.

Wie sah ihr Praktikumsalltag aus?

Da ich die Praktikantin der Assistentin des CEO war, saß ich nur wenige Meter vom dem Büro des CEO entfernt. Ich habe sehr viel über Firmenpolitik gelernt und sämtliche Kommunikation zwischen dem Hauptquartier Stuttgart und dem Market Performance Center Tokyo verfolgen können.
Ich habe oft Folien für Executive Committee Meetings überarbeitet, und selber Präsentationen zusammengestellt. Weiterhin war ich in ein firmenumfassendes Projekt eingebunden, in dem ich die Projektassistenz übernommen habe.
Im Rahmen meines Praktikums habe ich stärker meine Soft Skills als meine fachliche Kompetenz ausbauen können.

Auf welche Besonderheiten sind Sie im japanischen Arbeitsalltag gestoßen?

Da gibt es sehr viele … wo fange ich an? Alles ist sehr hierarchisch. Japaner haben eine generelle Scheu Entscheidungen zu treffen und somit Verantwortung zu übernehmen. Meetings verlaufen sehr schleppend und oft ohne eindeutiges Ergebnis. Es gibt keine Krankheitstage. Liegt man eine Woche im Krankenhaus, so wird der Jahresurlaub der ohnehin nur aus 12 Tagen besteht, um 5 Tage gekürzt.

Welche Tipps würden Sie anderen Studentinnen geben?

Um „berufliche" Ziele zu erreichen muss man fachlich gut und mental stark sein. Man muss gute Noten haben – aber das allein reicht nicht aus. Man muss ein gutes Netzwerk haben und darf sich nicht scheuen zu zeigen, dass man bereit ist für sein Ziel auch Opfer zu bringen. Ich meine jetzt nicht, 10 Mal beim Personaler anrufen und fragen was die Bewerbung macht. Zum Beispiel habe ich angefangen japanisch zu lernen, ohne zu wissen ob ich jemals nach Japan fahren werde.

Welche Bedeutung hatte das Praktikum bei Ihrem Berufseinstieg?

Das Praktikum hat eine enorme Bedeutung für meinen Berufseinstieg.
Ich habe herausgefunden, was ich mag und was ich nicht mag. Anfangs wollte ich von der Mathematik und IT loskommen und mich in Richtung Strategie bewegen. Strategie, Beratung und all das ist ja momentan unheimlich „en vogue“ in Deutschland. Aber in Tokyo merkte ich, dass es mir nicht ausreicht über Strategie nachzudenken und diesen ganzen firmenpolitischen Zirkus mitzumachen. Ich bin nun mal kein „Talker".
Ich will handfeste Ergebnisse liefern und kreativ sein. Das kann ich in meinem jetzigen Job bei der Danske Bank in Kopenhagen. Meine Stelle, die ich im Juni angetreten habe, war für Software Developer ausgeschrieben. Vor meinem Japan Praktikum hätte ich mich nie im Leben auf eine solche Stelle beworben.